Kirchenfenster

Das Glasgemälde der Diersheimer Kirche

 

Das von Albert Finck 1939 entworfene Kirchenfenster wurde von der Glasmalerei Großkopf in Karlsruhe gefertigt.

Es ist aus heutiger Sicht erstaunlich, dass die damalige, von der NS-Staatsmacht dem evangelischen Oberkirchenrat vorgesetzte „Finanzabteilung“ das Vorhaben und die Finanzierung genehmigt hat. Der so dargestellte Inhalt widersprach demnach nicht den Vorstellungen der damals tonangebenden „Deutschen Christen“ zum dargestellten Karfreitagsgeschehen. Der Kunstreferent des evangelischen Oberkirchenrates, Karl Bender, stimmte dem Vorschlag des Künstlers nach geringfügigen Änderungen zu. So konnte das Fenster nach der Auftragserteilung Anfang des Jahres am Karfreitag 1939 eingeweiht werden.

Das Bild wird von einem vor blauem Hintergrund stehenden Gekreuzigten beherrscht. Das Blau, der Himmel, nimmt vier Fünftel des Bildes ein und versinnbildlicht die göttliche Wahrzeit, aber auch die „Treue“. Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass Gott seinem Sohn – und durch dessen Tod auch den Menschen – die Treue hält. Das Kreuz hat das Braun der Erde überwunden, es reicht bis in den „Himmel“, die Sterne hier sind ein Zeichen des Durchdringens der Finsternis. Hier sind es fünf Sterne, die uns an die „fünf Wunden“ des Gekreuzigten erinnern.

Über dem Kreuz stehen die Worte „Es ist vollbracht“. Diese waren nach dem Johannesevangelium die letzten Worte Jesu und sie unterstreichen sein erreichtes Ziel: die Menschen mit Gott zu versöhnen (Joh. 19, 30). Die überstandenen Schmerzen zeichnen das Gesicht des Gekreuzigten, der Gesichtsausdruck ist ernst und gelassen. Christus neigt sein Haupt nach rechts. Seine fast geschlossenen Augen sind auf eine Schlüsselblume gerichtet (links unten). Diese hat den Beinamen „Himmelsschlüssel“, mit ihm wird der Himmel an Ostern, dem Tag der Auferstehung von Jesus Christus und der Überwindung des Todes „aufgeschlossen“.

 Rechts unten liegt ein zerrissener Schuldbrief. Er soll, wie bei Geldgeschäften ein Schuldschein, unsere Schuld gegenüber Gott anerkennen. Durch Jesu Tod kommt es zur Versöhnung mit Gott, also zur Aufhebung unserer Schuld. Nach Jesu eigenen Worten heißt es aber, wenn wir nicht vergeben, wird Gott uns auch nicht vergeben (Gleichnis vom Schalksknecht, Matth. 18, 27 und 32-33).

Der Platz rechts des Gekreuz-igten mit der Schlüsselblume symbolisiert, dass beim Jüngsten Gericht „rechts“ (Jesus sitzend zur Rechten; s. Mark. 16, 19 und Apg. 7, 15) die Auserwählten ihren Platz haben und links die Verdammten stehen. Letzteres ist in diesem Bild durch die Dornen-zweige versinnbildlicht. Das eingepflockte Kreuz unterstreicht die Brutalität, die Unausweichlich-keit dieses Todes.

 Das bei flüchtiger Betrachtung aufkommende Traurige und entsetzte Gefühl dieser Kreuzigung wird aber durch die Worte in der Überschrift und die einsame Schlüsselblume zu einer tröstlichen Gewissheit: „Ostern überwindet den Tod“.

 

Quelle: „Durch Licht zum Sehen“ Führer zu den Glasfenstern in badischen Kirchen nach den Entwürfen von Professor Albert Finck Verlag Regionalkultur

ISBN-10: 3897355701, ISBN-13: 9783897355705

 
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