Gemeinsame Kirchengemeinde Rheinau
Die Kirchengemeinden Diersheim, Freistett, Helmlingen, Linx, Rheinbischofsheim und Memprechtshofen planen zum 1.1.2026 zu fusionieren.
Stellenkürzungen und Mangel an Kirchengemeinderatsmitgliedern
Auch die Kirchengemeinden Rheinau bleiben von den Auswirkungen der kirchlichen Krise nicht verschont. Aufgrund des hohen Mitgliederschwundes und des demografischen Wandels werden in Rheinau Stellenkürzungen vorgenommen werden müssen. In Rheinau hat es noch im Jahr 2024 vier Pfarrstellen gegeben, im Jahr 2035 werden es nur noch zwei Pfarrstellen und eine halbe Diakonenstelle sein. Unter diesem Gesichtspunkt erschien es den meisten Kirchengemeinderatsgremien nicht sinnvoll zu sein, dass sich jede Pfarrperson um drei selbständige Kirchengemeinden und drei Kirchengemeinderatsgremien kümmern kann. Zugleich bedeutet dies den Abschied von der Pfarrperson, die vollumfänglich für die Gemeinde vor Ort da sein kann. Der zweite große Grund zu fusionieren, liegt schlicht drin, dass die meisten der Kirchengemeinden in Rheinau zu den Kirchenwahlen am 1. Advent 2025 wahrscheinlich nicht genügend Kandidaten für einen eigenständigen Kirchengemeinderat finden werden. Im Falle einer Fusion bedarf es maximal der Hälfte der bisherigen Kirchengemeinderatsmitglieder.
Krisenmanagement und Chancen
Während einerseits die Fusion Folge der aktuellen kirchlichen Krise ist, gibt es durch eine Fusion aber auch Vorteile. Ehrenamtliche wie Hauptamtliche beklagten an vielen Orten, dass sie mit hohem Aufwand Verwaltungs- und Geschäftsführungsaufgaben übernehmen müssen. Statt die Gemeinde vor Ort zu stärken und zu leiten, galt es oft, die Gemeinde zu verwalten. Mit der Fusion wird es einen gemeinsamen Haushalt geben, Verwaltungsthemen können gebündelt werden. Nimmt man die gemeinsame Stundenzahl der Sekretariate, so wird es in Zukunft möglich sein, dass an jedem Tag die Kirchengemeinde über eine Sekretärin erreichbar sein wird. Insgesamt werden Ehrenamtliche und Hauptamtliche weniger Zeit für Verwaltungsfragen investieren müssen.
Statt Kirchengemeinderat wird es Ortsteams und Thementeams geben
Die Kirchengemeinderatsgremien haben sich einheitlich dafür ausgesprochen, dass es im Falle einer Fusion in jedem bisherigen kirchlichen Ort ein Ortsteam geben soll. Der Vorteil von Ortsteams ist, dass die Mitglieder nicht auf 6 Jahre berufen werden, sondern je nach Situation zunächst begrenzt auf eine kürzere Dauer. Im Ortsteam dürfen alle Christen mitwirken unabhängig ihrer Konfession. Durch beides können vermehrt Menschen gewonnen werden, die Gemeinde vor Ort zu stärken. Wer lieber ortsübergreifend arbeiten möchte oder sich für ein bestimmtes Thema interessiert, kann sich in Thementeams engagieren. So kann es Thementeams geben, die sich z.B. um die Stärkung der gemeinsamen Familienarbeit „FamilyLight“ kümmern oder um die Aufgabe wie man vor Ort im ländlichen Raum gut alt werden kann. Sowohl für die Orts- wie auch bei den Thementeams besteht die Möglichkeit des gemeinsamen Kirchengemeinderats, Budgets einzurichten und Entscheidungsrechte zu delegieren.
Ergänzung und Schwerpunktbildung
Nicht jede Kirchengemeinde in Rheinau hat die Möglichkeit für die verschiedenen Generationen Angebote zu machen. Manche der klassischen Angebote werden nur noch gemeinsam realisiert werden können, wie z.B. der Konfirmandenunterricht. Andererseits werden Stärken, die es vor Ort gibt, für alle angeboten und können weiter profiliert werden. Auch die Hauptamtlichen können gemeindeübergreifend ihren Stärken entsprechend arbeiten, statt alle Aufgaben unabhängig der Eignung übernehmen zu müssen.
Wie geht es weiter?
Alle Kirchengemeinderatsgremien haben ihre Haushalte, Daten und Fakten gegenseitig bei einer Offenlegung bekannt gemacht. Dabei wurde sichtbar, dass keine Kirchengemeinde finanziell schlecht dasteht. Damit Gelder, die vor Ort durch Verkauf von Gebäuden oder Spendeneinnahmen angespart wurden, nicht in einen gemeinsamen Topf wandern, wurden gemeinsame Zweckbindungen vereinbart. Auf dieser Grundlage und der Möglichkeit, zumindest vorerst alle Gebäude halten zu können, konnten die Kirchengemeinderatsgremien den möglichen Beschluss zur Fusion positiv absichern. Spätestens in der ersten Maiwoche 2025 muss die Fusion in allen Gremien entschieden werden. Bis zu diesem Zeitpunkt nehmen die Kirchengemeinderatsgremien gerne noch Rückmeldungen entgegen und begründen gegebenenfalls ausführlicher, warum man den Schritt der Fusion gehen will.
Der Abschied von der Selbständigkeit und die Veränderungen des Pfarrerberufsbildes ist mit Traurigkeit verbunden. Zugleich aber sehen die Gremien, dass sie mit der Fusion und den neuen Strukturen der Orts- und Thementeams, der Kirche der Zukunft einen verlässlichen Boden bereiten. Einig sind sich alle Gremien darin, dass die Kirche durch ihre christliche Botschaft, die Vermittlung christlicher Werte und die praktizierte Nächstenliebe vor Ort durch seelsorgliches und diakonisches Handeln weiterhin Relevanz haben wird. Die Hoffnung ist, dass alle sich gemeinsam auf den Weg machen, um vor Ort nahe bei den Menschen sein zu können. Dann wird die Kirchengemeinde Rheinau Zukunft haben.
Eine gemeinsame Erklärung der sechs Kirchengemeinderatsgremien in Rheinau vertreten durch Dekan Oliver Wehrstein.



