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Bevor die Dreifaltigkeitskirche in Diersheim gebaut wurde, gab es bereits eine kleine Kapelle: Die Brigitten-Kapelle.
Im Zuge der Christianisierung erhielten die meisten Dörfer unserer Gegend Kapellen oder Kirchen. Auch in Diersheim wurde, wohl noch unter den ersten irischen Mönchen, ein kleines Gotteshaus erbaut. Das Jahr der Erbauung ist nicht bekannt, liegt aber sicher vor der Umwandlung des Klosters in ein Chorherrenstift. 1241 wird die Brigitten-Kirche zum ersten Mal in einer Urkunde des Bischofs von Straßburg erwähnt.
Da später Alt St. Peter im Verhältnis seines Zehntanteils baupflichtig war, hat es wohl diese Pflicht vom Kloster Honau übernommen. Wo die Brigitten-Kapelle stand, lässt sich nur ungefähr sagen. Der Kirchenschaffner Alberti erwähnt 1733, dass die Kapelle '..auf den durchs Dorf laufenden Mühlbach stoßete". Der Überlieferung nach hatte sie ihren Platz auf dem Anwesen des Michael Heidt (Fischereck 1). Da die irischen Mönche die Längsachse ihrer Kirchen nach dem Ostpunkt (Sonnenaufgang) am Tage des Kirchenpatrons ausrichteten, dürfen wir annehmen, dass die Längsachse der Brigitten-Kapelle bei 111 Grad lag (Tag der heiligen Brigitta: 1. Februar). Wir wissen auch nicht, wie diese Kapelle aussah. Aus den Reparatur-Rechnungen geht nur hervor, dass sie ein kleines Türmchen mit einer entsprechenden Glocke hatte und vermutlich ein Fachwerkbau war. In den Kriegen des 17.Jahrhunderts wurde die Kapelle oft beschädigt und die kleine Glocke gestohlen. Nach der Einführung der Reformation wurde die Brigittenkapelle nur bei Taufen und Trauungen benutzt. Für Predigtgottesdienste war sie zu klein, auch fehlte eine Kanzel.
Im Mittelalter wird Diersheim zum ersten Mal als selbständige Pfarrei 1440 erwähnt. Als die Kriege des 17.Jahrhunderts zu Ende waren, erholten sich die Dörfer im Hanauerland wieder. Die Einwohnerzahl von Diersheim stieg von 150 im Jahre 1650 auf 350 im Jahre 1730. In ähnlichem Verhältnis waren auch die anderen Filialen von Rheinbischofsheim gewachsen. Da war es ganz natürlich, Diersheim kirchlich selbständig zu machen; der Pfarrer sollte gleichzeitig auch Lehrer sein.
Lange Verhandlungen waren nötig, bis alle Fragen geklärt waren, die mit der Selbständigkeit der Pfarrei zusammenhingen. Schon 1725 hatten die Diersheimer die ersten Schritte unternommen, indem sie ihr Anliegen in einer "Memoralia" (Bittschrift) dem Grafen Johann Reinhard III. vortrugen. Darin wurde ihm `...untertänigst vorgestellt, wie beschwerlich es den sämtlichen Einwohnern, sonderlich aber den alten und bresthaften Personen sei, bis auf Bischofsheim, als welches eine Stunde Weges entfernt ist, in die Kirche zu gehen'. Auf ihre Eingabe, die von Pfarrer Thürmann kräftig unterstützt wurde, erhielt die Gemeinde bald eine Antwort, in der es unter anderem heißt: "...wenn die Supplikanten (Bittsteller) einen Überschlag machen lassen, wie hoch die Erweiterung belaufen möge, daneben schriftlich erklären, was dieselben aus eigenen Mitteln dazu und zur Unterhaltung des Pfarrers beitragen wollten, so wollen wir uns gnädig vernehmen lassen..". Die Diersheimer dachten damals zunächst an eine Reparatur und Erweiterung der Brigitten-Kapelle.
1730 kam es zur Einigung. Die Gemeinde sollte für Kirche und Pfarrhaus alle Baumaterialien beschaffen. Während der Bauzeit verzichtete die Herrschaft auf die Leistung der üblichen Fronden.
Außerdem überließ sie den Diersheimern kostenlos 50 Klafter Steine, die zum Schloßbau in Rheinbischofsheim vorgesehen waren und dort noch lagerten. Das zum Bau notwendige Holz durfte im Thomaswald geschlagen werden. Wie damals allgemein üblich, erteilte der Graf den Diersheimern "Patente", die berechtigten "in auswärtigen Herrschaften Kollekten zu sammeln". Auch die Pfarrbesoldung wurde geregelt. Nun konnte man an den Bau der Kirche gehen. Der Plan, die Brigittenkapelle zu vergrößern, konnte nicht durchgeführt werden. Sie abzubrechen und die neue Kirche an ihrer Stelle aufzurichten, war unmöglich, weil der Bauplatz zu klein gewesen wäre. Einige Häuser in der Umgebung hätten in diesem Falle entfernt werden müssen. Auf der Suche nach einem geeigneten Bauplatz einigte man sich schließlich auf das Grundstück, auf dem die Kirche heute steht.
Quelle: Friedrich Kößler, Das Rhein- und Grenzdorf Diersheim, herausgegeben vom Verein für Heimatgeschichte Diersheim e.V.
