Kirchenbau

Archäologische und baugeschichtliche Untersuchungen in der evangelischen Pfarrkirche in Linx, Gde. Rheinau, Ortenaukreis

Die evangelische Pfarrkirche in Linx, Gemeinde Rheinau, gehört zu einer Reihe von Chorturmkirchen, wie sie in der Ortenau oft anzutreffen sind. Die früheste Erwähnung der ehemals dem Heiligen Vincenz geweihten Kirche datiert in das Jahr 1371. Ältere schriftliche Quellen zur Kirchengeschichte sind bislang nicht bekannt.

Der Einbau eines neuen Warmluftschachtes für die bestehende Kirchenheizung bot die Möglichkeit, die stratigrafische Entwicklung

im nordöstlichen Teil des 1619 erbauten Langhauses zu untersuchen. Bereits 1969 konnten beim Neubau der Heizungsanlage erste archäologisch relevante Aufzeichnungen durch W. Kopf und H. Schubert durchgeführt werden.

Die älteste Kirche, deren Bautyp nicht sicher definiert werden kann, wurde auf einem vom 8./9. bis ins 12. Jahrhundert sporadisch genutzten Gelände errichtet. Dafür sprechen einige wenige Keramikscherben, die aus der ältesten Nutzungsschicht und aus dem Friedhof stammten. Vom mutmaßlich ältesten Kirchenbau ist mit Sicherheit ein 5,4m breiter und mindestens 13m langer Raum erfasst worden. Seine westliche Mauer muss außerhalb des untersuchten Bereiches gelegen haben.

Die 1969 durchgeführten Untersuchungen im heutigen Chorturm reichten 20-30 cm tief und boten keinen Einblick in das Verhältnis zwischen Turm und Langhaus.

Die 70 cm breiten Mauern des frühen Kirchensaales ließen sich fast ausschließlich durch die über 1 m tiefen Ausbruchgruben nachweisen. Die Fundamentmauern setzten sich aus Granit und Sandstein zusammen, einige Bruchstücke davon hatten sich in der südlichen Ausbruchgrube erhalten. Ein aus demselben Steinmaterial bestehendes Teilstück des Ostmauerfundamentes konnte in der gesamten Breite des heutigen Triumphbogens gesichtet werden. Der zum Bau gehörige Mörtelfußboden lag unmittelbar über der ältesten Nutzungsschicht, stellenweise über einer dünnen Ausgleichsschicht. Zu diesem Bau gehörte noch ein Backsteinfundament, das sich im Osten des Saales befand, wobei es sich um einen Altar handeln könnte. Die Entstehungszeit des Kirchensaales kann wegen mangelnder Funde nicht genau datiert werden.

Der in Backstein errichtete 3,2m x 4,2m große Chorturm wird dendrochronologisch ins Jahr 1344/45 datiert. Ein Vorgänger ist jedoch wegen der stilistisch älter wirkenden Schallarkaden nicht auszuschließen. Frühestens mit dem Chorturm entstand ein 1,2 m breiter Raum nördlich des Chores, zu dem ein Nord—Süd verlaufendes, 0,5 m breites Backsteinfundament gehört. Dieser Raum musste am Ende des 15.Jahrhunderts der noch heute bestehenden Sakristei mit Kreuzgratgewölbe weichen. Auf ihre nachträgliche Errichtung deutet der Einbau einer Tür mit kielbogenförmigem Sturz in der Nordwand des Chores hin, die das westliche Gewände des benachbarten, zum ursprünglichen Bestand gehörenden Fensters stört.

Ein mindestens 2,5 m x 3m großer eigenständiger Raum, möglicherweise ein Beinhaus, schloss direkt an die Nordmauer des Langhauses an. Der fragmentarisch erfasste Annexbau war aus 0,5 m breiten Backsteinmauern errichtet worden. Sein eben falls ans Backsteinen bestehender Fußboden lag auffälligerweise ca. 0,6 m unterhalb des Kirchenbodens.

 Bislang kaum beachtet wurde das Phänomen, dass in der mittleren Ortenau zwischen Straßburg, Offenburg und Kloster Schwarzach seit dem 12. Jahrhundert zahlreiche Kirchen vollständig aus Backsteinen errichtet wurden. In dieser Reihe ist der Chorturm von Linx ein dendrochronologisch sicher datiertes Beispiel.

Um 1619 wurde der Kirchensaal mit dem nördlichen Anbau abgerissen. Mit Abbruchschutt und Friedhoferde planierte man den tiefer liegenden Annexraum auf und der gesamte Kirchenraum wurde um 20-30 cm erhöht. Der neu in einer spätgotisch-frühbarocken Mischform entstandene Saal misst 12,5 m x 19 m und besaß im Westen eine Empore, deren Stützfundamente sich im Boden erhalten hatten.

Die jüngsten archäologischen Untersuchungen in der Pfarrkirche Linx waren dank der Finanzierung durch das Architekturbüro Beerens und der tatkräftigen Hilfe durch die Kirchengemeinde möglich.

Matthias Reinauer, Peter Schmidt-Thom

(Quelle: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2003, Konrad Theiss Verlag GmbH, Stuttgart)

 
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